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Die Struktur der Sammlung | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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GESCHICHTE UND KONZEPT DER SAMMLUNG
Vorbemerkungen Die historischen Sammlungen des Werkbundarchiv – Museum der Dinge sind zugleich ein gezieltes sowie ein kontingentes Resultat einer ausstellungsorientierten und v.a. im Bezug auf den Deutschen Werkbund forschungsorientierten Praxis. Das bedeutet, dass die Sammlung im Wesentlichen über das Zeigen/die Ausstellung konstituiert wurde. Die historischen Projekte, die sich unmittelbar mit dem Thema "Sammeln" und mit der Konzeption und Struktur der Sammlung beschäftigt haben, waren: - Unbeständige Ausstellung der Bestände des Werkbund-Archivs (1995-98) - ware schönheit – eine zeitreise (1999) - Sammeln in einem offenen System (2000-2002). Seit 2007 kommt in diesem Zusammenhang die Schausammlung hinzu, bei deren Konzipierung und Einrichtung grundlegende Aspekte der Sammlungsstruktur präzisiert werden konnten. Zum Namen Werkbundarchiv verweist auf den historischen Bezugspunkt der Institution und Sammlung: Deutscher Werkbund. Diese Lebensreformbewegung in ihrer Geschichte, Strategie und Bedeutung - als eine von zahlreichen Reformbewegungen im 20. Jahrhundert - zu verstehen und zu vermitteln, ist das Kerngeschäft der Institution. Daraus leitet sich eine Perspektive der Sammlung aus zwei Blickwinkeln ab: estens die Auseinandersetzung mit der Basis jeglicher Gestaltung im Kontext von Material, Form, Funktionalität (Qualitätsbegriff) sowie zweitens die Auseinandersetzung mit Fragen der Vermarktung/Warenkultur, d.h. dem Labeling/Branding durch Marken, Firmenstrategien, Entwerfernamen etc. (die zwei Stränge der Werkbundstrategie: "entzeichnen" und das "bezeichnen" der Dinge, vgl. dazu Katalog "Kampf der Dinge"). Der seit 1999 bestehende Zusatz Museum der Dinge verweist zum einen auf das Arbeits- und Sammlungsfeld Sach-/Produktkultur des 20. Jahrhunderts. Historisch gab es im Werkbundarchiv kaum eine Auseinandersetzung mit Architektur und Architekturgeschichte (mit der Ausnahme Taut/Glashaus, die keine klassische architekturhistorische Ausstellung war). Zum anderen verweist Museum der Dinge auf die Museumskonzeption, d.h. auf das Selbstverständnis als eine museologisch reflexive Einrichtung, die das "Museum" als System/Struktur thematisiert, die Objekte als Anschauungsobjekte (Ästhetisierung, ready-made-effekt) hinterfragt und museale Systematisierungen sowie Kanonbildungen durchschaubar machen will. Zum Sammlungsgegenstand 1. Objekte und Dokumente, die die Werkbundgeschichte und –zielsetzung dokumentieren und reflektieren (auch im Sinne einer zeitgenössischen Fortsetzung der Werkbund-Ideale). 2. keine Einschränkung auf Objekte der Designgeschichte, sondern Ausdehnung auf Alltagskultur, da der Deutsche Werkbund zur Reform der Alltagskultur angetreten ist. Daraus ergibt sich eine dialogische Struktur der Sammlung, d.h. Objekte, die die Deutsche Werkbund-Strategie repräsentieren, wurden den vom Deutschen Werkbund "bekämpften"/kritisierten Objektbereichen gegenübergestellt. 3. Konzentration auf Sach-/Produktkultur des 20./21. Jahrhunderts, geprägt von Massenproduktion und Warenkultur als Grundbedingung. In diesem Zusammenhang gilt unsere Aufmerksamkeit den gesellschaftlich-politischen und ökonomischen Bedingungen, unter denen Produkte entstehen, vertrieben, vermarktet und genutzt werden. 4. Auf Grund des Kernthemas liegt der Schwerpunkt auf dem Ausdruck/der Sprache, dem Charakter der Dinge. Diese ist im intentionalen Sinne abgeleitet aus: den Positionen - des Gestalters (namhaft oder anonym) - des Herstellers (Produktionsbedingungen) - des Vertreibers (Handel, Marketing) den Bedingungen - der Produktion - des Materials, der materiellen Ressourcen - der Funktion/Funktionalität (historisch aus sachlicher Technik abgeleitet) - der vermuteten Nutzungsbedürfnisse - des Zeitgeschmacks/Mode/Stil - der kulturhistorischen Zusammenhänge/Zeitgeschichte/nationale und regionale Eigenarten Diese Gestalt der Dinge ist im nicht intentionalen Sinne (d.h. ungewollt, unabsichtlich, versehentlich) abgeleitet aus: den Positionen - des Käufers - des Nutzers und evtl. Umnutzers (Nutzungsspuren, Nutzungsgeschichte, Umgestaltung/individuelle Markierung) den Bedingungen - des Konsums - der faktischen Nutzung - der Entsorgung Zur geographischen Fokussierung - nationale Ausrichtung: historisch aus dem Deutschen Werkbund abzuleiten - für heutige Produktkultur nicht mehr angemessen - Bedeutung der Internationalisierung und Globalisierung für die Produktkultur – wie verhält sich die Sammlungsarbeit des Museums dazu? - Differenzen in der Verortung von Produktion, Vertrieb und Nutzung Zur historischen/zeitlichen Fokussierung - Sachkultur vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart - wesentlich für den dialogischen Ansatz: Kombination und Konfrontation von historischer und gegenwärtiger Produktkultur Zum Charakter der gegenwartsbezogenen Sammlung - Vorbildersammlung (wie früher in Kunstgewerbemuseen oder im DM), d.h. vorbildliches aktuelles Design? Wir sind nicht der Deutsche Werkbund, aber eine Positionierung des Museums in der aktuellen Qualitätsdebatte wäre erforderlich - aktuelle Gegenbilder: z.B. gescheiterte Produkte/Ladenhüter; statt Innovation - Retro-Modelle und Hybridformen; Kitsch/Trash-Kultur - Zukunftsorientierung: Was wird als Lösung antizipierter Probleme und Bedürfnisse in Zukunft wichtig? Debatten um Nachhaltigkeit, Ökodesign, Grüne Welle, aber auch Migration etc. Auswirkung des Selbstverständnisses als Lern- und Arbeitsplattform sowie der museologischen Reflexion auf die Sammlungsarbeit - Bereitstellung von Lehr- und Anschauungsmaterial, z.B. Modelle u.ä. - Bedeutung von Material, das Grundfragen ästhetischer Bildung und Gestaltung aufwerfen lässt - Problematik der Nutzung der Sammlung als Arbeitsmaterial und nicht nur zur visuellen Anschauung - In der Lehrposition gerät man leicht in die Veranschaulichung von normativen Gestaltungsprinzipien/Kanon (abzuleiten aus Deutschen Werkbund, Bauhaus, Ulmer Hochschule) >>> Maßstäbe zur Beurteilung von gutem und schlechtem Design, auch ohne Kopplung an die ethischen Grundsätze der historischen Reformbewegungen im Sinne des zeitlosen, vorbildlichen Design - Durchbrechen dieser Sicht durch Auseinandersetzung mit kulturellem Kontext der so genannten Klassiker in ihrer Entstehungszeit und Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen Original und Kopie (unterschiedliches Material, Verarbeitung, Proportion) Zur Abgrenzung von anderen Museen und Sammlungsbereichen in Berlin - designhistorisches Umfeld: Bauhaus-Archiv, Kunstgewerbemuseum/Abt. Design 20. Jahrhundert, Bröhan-Museum, Sammlung industrielle Gestaltung >>Abgrenzung des Werkbundarchiv - Museum der Dinge von rein designhistorischen Sammlungen, d.h. dem Modell der Kunst- und Stilgeschichte und Dokumentation der Geschichte des namhaften Designs - alltagskulturhistorisches Umfeld: Museum Europäischer Kulturen (ehemals Volkskunde-Museum), Deutsches Historisches Museum/Bereich Alltagskultur, Dokumentationszentrum Alltagskultur DDR >>Abgrenzung des Werkbundarchiv - Museum der Dinge von der Dokumentation der Alltagskultur des 20. Jahrhunderts im Sinne von kulturhistorischen Übersichten, eher spezifische Fragestellungen - technikhistorisches Umfeld: Deutsches Technikmuseum/Abt. Haushaltstechnik und Unterhaltungstechnik, Museum für Kommunikation >>Abgrenzung des Werkbundarchiv - Museum der Dinge von einer Darstellung einer technikhistorischen Entwicklung, stattdessen Einfluss/Bedeutung technischer Produkte auf Lebensverhältnisse und Erfahrungshorizonte Erkenntnisse aus den Erfahrungen mit der Schausammlung seit 2007 - Die dialogische Struktur, die in der Schausammlung sichtbar wird, ist der richtige Ansatz, muss aber weiter entwickelt und klarer herausgearbeitet werden, d.h. Ausdehnung von "gut-schlecht" (schwarz-weiß) auf die anderen Aspekte wie ost-west (BRD-DDR-Produktkultur, auch Formdebatte im Osten), Industrieprodukt-Selbstbau, echt-unecht (auf Material- wie Markenebene z.B. Surrogate, Plagiat), Gender-Differenzen, eigene – fremde Produktkulturen etc. - Es muss ein stärkerer Akzent auf die aktuelle Produktkultur gelegt werden. - Die Schausammlung ist nicht nur Ausstellungs-, sondern auch Depotraum. Es ist erklärtes Ziel, große Teile der Sammlung zu zeigen und eben auch unterzubringen. Dieses Ziel kollidiert z.T. mit dem Wunsch nach stärkerer Akzentuierung. Grundsätzliche Fragen - Wie lassen sich aktuelle Denk-, Arbeits-, Themenfelder wie z.B. Globalisierung, Kommerzialisierung, Mobilität, Virtualisierung, Migration etc. in Sammlungsbereichen fassen? (bisherige Sammlungsgebiete: z.B. Werkbund - Firmensammlungen, Materialsammlungen, Selbstbau/Notprodukte...) - Wie kann man der Tatsache Rechnung tragen, dass wir ein Museum der Produktkultur/der Dinge sind, aber wesentliche Aspekte des alltäglichen Lebens sich nicht dinglich abbilden (lassen), d.h. prozesshaft sind und in Kommunikationsstrukturen liegen? - Wie kann man mit dem Unterschied von Sammlungsgebieten und ausstellungsspezifischen Zusammenstellungen von Objekten sinnvoll umgehen? (Beispiel: Schwarz-Gelb oder andere Farbcodes sind eigentlich kein Sammlungsgebiet, sondern wurden für eine Präsentation zusammengestellt) - Wie lässt sich ein flexibles Sammlungsmodell mit wechselnder Zuordnung von Objekten erhalten, das der Arbeit im Ausstellungsmodus entspricht > Möglichkeiten der flexiblen Vernetzung auf der Basis der digitalen Datenbank-Systeme? - Wie kann man andere aktuelle Sammlungsstrategien für uns fruchtbar machen, z.B. zentral dokumentieren und dezentral sammeln, d.h. Aufbau einer Sammlerdatenbank als virtuelle Ergänzung der eigenen Sammlung (gibt es im Ansatz aus dem Projekt "Sammeln" von 2000/2001) Neue Aspekte ab Herbst 2010 - Als Museum mit kulturhistorischem Ansatz liegt der Schwerpunkt auf benutzten Objekten mit lesbaren und interpretierbaren Spuren (Ausnahmen sind Objekte, die Designpreise bekommen haben). - Sammlungscharakter aus der "Alltagskultur" ableiten - die gesammelten Gegenstände sollten eine "soziale Dimension" aufweisen und eher aus der realen Nutzung/Zirkulation kommen (auch "kommunikativer Gebrauch") - Definition von neuen Sammlungsgebieten/relevanten Gebieten, auf die sich das Museum in Abgrenzung von anderen Museen konzentrieren sollte, z.B.: - Marketingstrategien: Corporate Design (Apple, Aldi, Manufactum, Tschibo, Ikea, be-berlin) - Crossbranding - Gender - Einweg - Produktnamen - kleine Helfer/Helden des Alltags - Individualisierung der Produktkultur - Popularisierung/Demokratisierung des Kanons > Massenwirksamkeit, Verramschung?
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