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CHARAKTERISIERUNG DER BESTÄNDE


1. Dokumenten-Archiv

Das Archiv besteht aus einer weltweit einzigartigen Dokumenten-Sammlung zum Deutschen Werkbund und einer zur Alltagskultur der Moderne. Es umfasst zur Zeit ca. 35.000 Einheiten.


1.1. Die Dokumenten-Sammlung Deutscher Werkbund besteht aus

- einer Fachbibliothek (Bücher, Zeitschriften, andere Medien) zur Geschichte und Theorie des Werkbunds, der Lebensreformbewegungen, der Kunstgewerbebewegung und des Design.

- Dokumenten (Originale und Kopien) zur Organisationsgeschichte des Werkbunds: Tagungs- und Sitzungsprotokolle, Korrespondenzen des Vorstands, der Geschäftsstelle und der Mitglieder, Dokumentationen der Jahresversammlungen, Mitgliederverzeichnisse

- visuellen Medien: Fotografien und Videoaufzeichnungen (Mitglieder, Werke, Produkte, Versammlungen, Ausstellungen)

- Nachlässen und Teilnachlässen (u.a. von Muthesius, Bruckmann, Poelzig)


1.2. Die Dokumenten-Sammlung Alltagskultur 20. Jahrhunderts besteht aus

- einer Dokumenten-Sammlung Alltagskultur der Moderne von 1880 bis 2003
- künstlerischer Graphik / Fotografie, Plakate (1830 – 2003)
- Karikaturen, Postkarten (1880-2003)
- kultureller Selbsttätigkeit (Tagebücher, Zeichnungen, Briefe, Bilder, Laienfotografie)
- Spezialsammlungen (Benjamin, Situationisten, Malik, Heartfield, 1968)


2. Objektsammlungen

Es handelt sich um eine Sammlung mit kulturgeschichtlicher Perspektive,die die formale Bildung, den Gebrauch und die Bedeutung von alltäglichen Gegenständen (Hochdesign, anonymes Design) aus der Wohn-, Arbeits- und Freizeit-Sphäre des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Den Kern bilden die Objektbereiche, die die Geschichte des Deutschen Werkbundes dokumentieren. Insgesamt gehören ca. 20.000 Objekte zum Bestand.


Die Objektsammlung besteht aus den Bereichen:

A. Deutscher Werkbund
- Entwerfersammlung (Möbel, kunstgewerbliche Objekte und Industrieprodukte von Werkbund-Künstlern entworfen, wenige Architekturmodelle)
- DWB-Firmensammlungen (z.B. AEG, Braun, Arzberg, WMF, Pelikan, Kaffee Hag, Manoli, Bahlsen, Weck, Odol etc.)
- DWB-Konsumentenerziehung (Deutsches Warenbuch und Werkbundkisten)

B. Stilgeschichtliche Sammlungsbereiche (stilgeschichtliche Epochen von denen sich der Werkbund abgegrenzt hat sowie Werkbund als stilbildender Faktor)
- Historismus
- Jugendstil
- Funktionalismus
- 50er Jahre-Design
- Spezialsammlung Stühle 20. Jahrhundert sowie andere Klein-Möbel, Haushaltsgeräte 20. Jahrhundert (namhafte und anonyme Entwürfe)

C. Warenästhetik (Erweiterung der DWB-Firmensammlungen)
- Warenverpackungen (Lebensmittel, Kosmetik, Bürobedarf, bis in die 1970er Jahre)
- Werbeträger, Werbefiguren für Markenprodukte

D. Dingcharakter / Längsschnitte 20. Jahrhundert
- Objektreihen zur Materialgeschichte (Kunststoff, Aluminium, Email)
- Morphologische Reihen zur Form- und Funktionsgeschichte der Dinge (mechanische, elektrische und elektronische Werkzeuge, Geräte aus den Bereichen Haushalt, Büro, Unterhaltung)
- Reihen zu Besonderheiten in Farb- und Formgestaltung der Dinge/Ästhetische Codes (Farb-Codes schwarz-gelb, rot-weiß,schwarz-rot-weiß, geometrische oder organische Formen, Spritzmuster)

E. Dingcharakter / Material- und Funktionssurrogate
- Objekte des alltäglichen Bedarfs, die Materialien oder Funktionen imitieren (Basis DWB-Thematik: materialgerechte Produktentwicklung)

F. Dingcharakter / Notprodukte

- Objekte des alltäglichen Bedarfs aus individueller Notproduktion aus der Zeit im und nach dem 2.Weltkrieg, z.T. umgewidmete Objekte aus militärischem Kontext
- kontrapunktisch zu den Objekten aus industrieller/serieller Massenproduktion
- Zeugnisse der Mangelwirtschaft (auch Fundstücke aus Sowjetkasernen, DDR)

G. Dingcharakter / Leib
Anthropomorphe Dinge bzw. Körperabdrücke und Körperrepräsentanten

H. Dingcharakter / Erinnerungskultur
- Andenken, Souvenirs
- Speichermedien / Schrift, Bild, Ton

I. DDR-Sammlung (Sammlungsbereich ist kontrapunktisch zu den Bereichen angelegt, die die westliche Produktkultur der Nachkriegszeit repräsentieren. Es bieten sich interessante Vergleichsbeispiele im Bereich der Designentwicklung und Warenästhetik)
- Warenästhetik
- alltägliche Gebrauchsgüter (Haushalt, Spielzeug, Büro)
- Objekte zur politischen Kultur der DDR

J. Ereignisgeschichtliche Sammelgebiete
- 1. Weltkrieg
- 2. Weltkrieg
- Objekte der Nachkriegszeit, Teilung Deutschlands, Blockade, Sonderstatus Berlin


Die Sammlung zeichnet sich insbesondere durch bewusst dokumentierte Spannungsverhältnisse aus zwischen:

- Werkbund-spezifischen Produkten – Massenware
- kunstgewerbliche Einzelstücke – industrielle Erzeugnisse
- Objekte namhafter Designer - anonymes Design
- hoch definierte künstlerische Entwürfe - individuell gestaltete Notprodukte
- funktionale, puristische Objekte - „geschwätzige“ Kitsch-Objekte
- substantiell ehrliche Objekte - Material- und Funktionssurrogate
- Markenwaren - no-name-Produkte
- natürliche - künstliche Objekte

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