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VORTRAGSREIHE - Zur Ausstellung "Museumsbauhütte. Zwölf künstlerische Museen und Museumsentwürfe"
Die Vorträge und Führungen der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler fanden in
Kooperation mit dem Institut für Kunst im Kontext, Universität der
Künste Berlin, statt. - Für größere Ansichten bitte die Bilder anklicken.
ROLAND ALBRECHT - "MUSEUM DER UNERHÖRTEN DINGE" 8. Dezember 2008
In der Ausstellung "Museumsbauhütte" zeigte Roland Albrecht acht Exemplare aus seinem Museum der Unerhörten Dinge.
Dieses Museum ist eine literarische Wunderkammer, in der die
Wirklichkeit in ihren Unglaublichkeiten präsentiert wird. In ihm werden
unerhörte Dinge gezeigt - unerhört deshalb, weil diese Museumsexponate
oft übersehene und unbeachtete Dinge sind. Diesen Gegenständen widmet
Roland Albrecht sein Ohr, lässt sie reden, schweigen, schimpfen - er
schenkt ihnen seine vollste Aufmerksamkeit und plötzlich erzählen sie
unvermutete Geschichten, unglaubliche Erlebnisse und unwahrscheinliche
Ereignisse.
ANJA EDELMANN - "MUSEUM DER GEFÜHLE" 15. Dezember 2008
Gefühle
und Empfindungen bestimmen wesentlich die Architektur unseres
Bewusstseins – dennoch entdeckt man in der Beschäftigung mit ihnen
schnell, dass das Phänomen des Gefühls schwer darstellbar ist. Das
Museum als Ort der Erinnerung bietet eine
ideale Plattform, um das ambivalente und schwer greifbare Phänomen der
Gefühle in seinen Facetten sichtbar und 'erlebbar' zu machen. Das
"Museum der Gefühle", von Anja Edelmann hier als Projekt vorgestellt,
trat als Intervention in die Schausammlung des Werkbundarchiv - Museum
der Dinge in Erscheinung - durch subtiles Umarrangieren der vorhandenen
Exponate und durch die akustische 'Besetzung' von Vitrinen.
XINYU BAI - "DAS GLÜCKSMUSEUM" 12. Januar 2009
"Das
Glücksmuseum" ist der Entwurf für ein Museum, das in China entstehen
soll und mit dem die Künstlerin die Aufmerksamkeit auf ein zentrales,
doch durch den rasanten gesellschaftlichen Wandel bedrohtes Element der
traditionellen chinesischen Kultur lenken möchte. Für dieses Thema hat
sie mit dem Museum ein geeignetes Format gefunden, der Komplexität und
Unterschiedlichkeit der möglichen Exponate gerecht zu werden. Für ihre
Museumsidee hat Xinyu Bai einen Glückskoffer entwickelt, in dem sie
eine Beispiel-Sammlung möglicher Exponate sowie einen Plan des
Museumsgehäuses aufbewahren und transportieren kann und aus dem heraus
sie dem Besucher und Interessenten ihr Konzept präsentieren will.
J&K - "THE BABYLON CASE - A TIME CAPSULE FOR OUR CIVILIZATION" 19. Januar 2009
"Zu
Beginn der ersten menschlichen Zivilisation wurde eine verschlüsselte
Prophezeiung von unbekannter Hand in eine Tontafel geschrieben. Die
Inschrift sagt voraus, dass das Erbe Babylons unser Zeitalter
unwiderruflich bestimmen wird. Auf unerklärlichen Wegen ist nun eine
rätselhafte Museumskapsel aus einer fernen Zukunft in unsere Zeit
gelangt. Im zurückhaltend erscheinenden Äußeren der sechseckigen Kapsel
treten mehrere Öffnungen hervor, die Einblicke in ein sich entfaltendes
Tableau gewähren: Verschiedene Räume zeigen wichtige Reliquien aus
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, welche die babylonische
Zivilisationsgeschichte von ihrer Entstehung bis zum Niedergang in der
Zukunft reflektieren." (J&K, Gravesen) Das deutsch-dänische
Künstlerinnenduo J&K hat nun beschlossen, die Zeitkapsel der
Öffentlichkeit vorzustellen.
ULI WESTPHAL - "ELEPHAS ANTHROPOGENUS" 26. Januar 2009
Mit
dieser Arbeit untersucht der Künstler Uli Westphal am Beispiel des
Elefanten, wie sich das Naturbild der Menschen über Zeiten verändert
hat. Nach seinem Verschwinden aus Europa musste das Bild des Elefanten
auf Grundlage von Erzählungen und Beschreibungen morphologisch
rekonstruiert werden. Auf der Basis einer Sammlung von rund 600
derartiger Illustrationen hat Uli Westphal die Entwicklungsgeschichte
des "Elephas Anthropogenus", des vom Menschen erdachten Elefanten,
konstruiert. Das Bildmaterial ist nach entwicklungsgeschichtlichen und
taxonomischen Aspekten geordnet. Uli Westphal nutzt die Bildsprache der
Naturwissenschaften, um der Entwicklungsgeschichte eines kulturellen
Naturbildes eine visuelle Form zu geben: Damit verdeutlicht und
ironisiert er zugleich die Subjektivität und Relativität
wissenschaftlicher Naturwahrnehmung.
MUSEUM OF AMERICAN ART - "MUSEUM OF MODERN ART" & KERSTIN SCHREMS - "EINZELAUSSTELLUNG" 2. Februar 2009
Museum of American Art (Goran Dordevic) - "Museum of Modern Art"
Statement des Museum of American Art/Salon de Fleurus: "Dies
ist der Entwurf für das Museum of Modern Art, das anstelle der Kunst
des 20. Jahrhunderts deren Kopien in Originalgröße zeigen soll.
Vorgeschlagen wird, dieses Museum innerhalb des Museum of Modern Art,
New York, dauerhaft auszustellen." Der Salon de Fleurus und
seine Berliner Filiale, das Museum of American Art, beobachten die
Arbeit der Beobachter der Kunstproduktion: der Galeristen,
Museumsleute, Kunsthistoriker und Kunsttheoretiker und machen ihre
Beobachtungen - indem sie diese als künstlerische Arbeit vortragen -
selbst wiederum zum Gegenstand einer kunsthistorischen Reflexion.
Kerstin Schrems - "Einzelausstellung"
Die
Künstlerin Kerstin Schrems stellte ihre Arbeit "Einzelausstellung" vor,
die aufgrund der Kritik an ihren vorwiegend sehr kleinformatigen
Bildern und Plastiken entstanden ist. Statt dem Drängen nach
Vergrößerung der Arbeiten nachzugeben, begann sie sich zu fragen, was
der Anlass für derartige Forderungen sein könnte: "Ist
es ein verborgener normativer Anspruch an Kunst? Kann nur Großes
wahrhaftig großartig sein oder als solches erachtet werden? Was ist
überhaupt groß? Ist es der wohl gemeinte Rat, sich in einer Welt der
großen Taten deutlicher zu präsentieren? Vielleicht ist es aber auch
das Unbehagen, sich auf ein intimes tête-à-tête mit einem Bild
einzulassen?" Das Ergebnis ihres Nachdenkens über das Bildformat - ein Ausstellungsraum, in dem ihre Bilder in 'normaler' Größe erscheinen.
ANNE HÖLCK - "TIGERKÄFIG" 9. Februar 2009
Während
in der Schausammlung im Naturkundemuseum in der Regel bereits tote
Tiere durch die Techniken der Präparation und des Diorama präsentiert
und damit in eine Illusion ihrer ursprünglichen Umwelt versetzt werden,
werden im Zoo lebende Tiere gesammelt und in mehr oder weniger
künstlich gestalteten Anlagen gehalten. Mit dem Miniaturdiorama
"Tigerkäfig" der Künstlerin Anne Hölck, das ein realistisches Modell
eines bestimmten Käfigs ist, werden diese beiden Formen des Umgangs mit
Tieren aufeinander bezogen und - über die Betrachtung der einen Form im
Rahmen und unter den Bedingungen der anderen - eine Reflexion über
unseren Umgang mit Lebewesen möglich. Mit dem Tigerkäfig, der die
Unterwerfung der Kreatur durch den Menschen in doppelter Weise
darstellt, zeigt Anne Hölck die spezifische Künstlichkeit zoologischer
Anstalten und die Konstruiertheit musealer Zusammenhänge.
ZOLTAN KUNCKEL - "SIMON BOLIVAR-MUSEUM" 16. Februar 2009
Simon
Bolivar war eine der wichtigsten Figuren der Geschichte Südamerikas,
die er in den Jahren der Unabhängigkeitsbestrebungen von der spanischen
Kolonialherrschaft entscheidend geprägt hat. Der Künstler Zoltan
Kunckel setzt sich mit dieser historischen Figur auseinander und
untersucht die Bedeutung von Simon Bolivar für Südamerika in der
Vergangenheit und der Gegenwart und bringt sie zur Anschauung. Über
eine Analyse des historischen und zeitgenössischen Bildmaterials
dokumentiert er die verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit dieses
Mannes und zeigt, wie aus seinem Leben ein Mythos konstruiert wurde.
BARBARA MÜLLER - "ARCHIV EINER BRACHE" 23. Februar 2009
"Meine Neugier an einem größeren,
stark verwilderten, hinter einem Bauzaun an der Ecke
Marchstraße/Einsteinufer in Charlottenburg versteckten Grundstück, an
dem ich regelmäßig vorbeikam, war der Anlass (2004) einer vielseitigen
Untersuchung dieses Ortes. Für meine Orientierungs- und
Ordnungsversuche in dem schwer begehbaren Areal nutzte ich
unterschiedliche Mittel und Methoden, recherchierte in Archiven und
sprach mit Fachleuten und ehemaligen Bewohnern (...)." Das
Ergebnis ihrer Arbeit - ein ohne einen besonderen Zweck frei und
unabhängig angelegtes Archiv - stellte die Künstlerin Barbara Müller den
Besuchern vor.
RENATE FLAGMEIER - "MUSEEN UND MUSEUMSENTWÜRFE I" 2. März 2009
Die Bedeutung von historischen und künstlerischen Museumskonzepten für die Arbeit des Werkbundarchiv - Museum der Dinge
Das
Werkbundarchiv - Museum der Dinge versteht sich als eine museale
Versuchsanstalt, in der sich die Aufmerksamkeit darauf richtet,
ausgehend von der gesellschaftspolitischen Verantwortung von Museen die
heutige Produktkultur und die Geschichte der Dinge im 20. und 21.
Jahrhundert immer wieder neu wahrzunehmen und wahrnehmbar zu machen.
Für diese Aufgabe ist das Nachdenken über das Museum als Struktur und
die Auseinandersetzung mit historischen und künstlerischen
Museumsmodellen äußerst hilfreich. Die verschiedenen Perspektiven auf
das Museum erleichtern es, die eigene museumsinterne Wahrnehmung zu
relativieren und die Formen des Sammelns und Ausstellens offen zu
halten.
MICHAEL FEHR - "MUSEEN UND MUSEUMSENTWÜRFE II"16. März 2009
Müllhalde oder Museum? - Endstationen der Industriegesellschaft
In seinem Vortrag beschäftigte sich Michael Fehr erneut mit der Theorie des Mülls und warf die Frage auf, ob das Museum in seiner althergebrachten Form - als Ständige Ausstellung - selbst in die Müllkategorie geraten ist und wenn, welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
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